SOS Tutorial 247 - Equalizer Grundlagen

Ziel

Der Equalizer ist ohne Zweifel eines der wichtigsten Tools im Tonstudio und die Grundvoraussetzung für einen gelungenen Mix. Von der Bearbeitung einzelner Drum-Sounds bis hin zum Mastering kommt der EQ in allen Bereichen der Audio-Produktion vor.

In diesem Tutorial wollen wir euch die Grundlagen von EQ-ing näher bringen. Wir beschäftigen uns mit den verschieden Arten von EQs, deren Funktionsweise, und den wichtigsten Parametern zur Klangsteuerung. In den beiden folgenden SOS Tutorials geben wir euch einen Überblick zu den Equalizern von Ableton Live und Logic Pro.

1. Was ist EQ-ing

Analog zum Farbspektrum eines Bildes setzt sich jeder Klang aus einer Vielzahl unterschiedlicher Frequenzen zusammen: Dem Frequenzspektrum. Das Frequenzspektrum bestimmt das Timbre und die „Farbe“ eines Klanges. Mit einem Equalizer kannst du bestimmte Teile des Frequenzspektrums verändern und somit den Klangcharakter beeinflussen. Das Frequenzspektrum des Signals wird hierfür in verschiedene Bereiche, sogenannte „Frequenzbänder“ aufgeteilt, die vom Pegel her angehoben oder abgesenkt werden können.

Eine Grafik, die die Aufteilung des Frequenzspektrums veranschaulicht, findest du hier.

Auch der Bässe-, Mitten- und Höhen-Regler an deiner Musikanlage oder deinem Mischpult ist ein Equalizer. Wird nur ein Teilbereich des Frequenzspektrums von einer Anhebung oder Absenkung des Pegels beeinflusst (z.B. nur der Höhenbereich), spricht man auch von einem Filter. Ein Equalizer setzt sich somit aus mehreren Filtern zusammen.

Wichtig zu verstehen ist, dass ein EQ keine neuen Frequenzen erstellt (wie es z.B. bei Distortion oder FM-Synthese der Fall ist), sondern nur den Pegel vorhandener Frequenzen verändert.

2. Parameter

Die wichtigsten EQ-Parameter wollen wir anhand von Pro-Q von FabFilter erläutern.

Filtertyp (1)

Viele EQs erlauben dir den Filtertypen pro Band zu bestimmen. Beim EQ Eight von Ableton Live hast du die Wahl zwischen acht verschiedenen Filtertypen:

• 48 bzw. 12 dB/Oktave Low-Cut
• Low-Shelf
• Bell
• Notch
• High-Shelf
• 48 oder 12 dB/Oktave High-Cut

Weitere Informationen hierzu findest du im Referenzteil zu Lives Audio-Effekten.

Frequenz (2)

Mit diesem Parameter bestimmst du die Mitten- (z.B. bei einem Bell- oder Notch-Filter) bzw. Cutoff-Frequenz (z.B. bei einem Low-Cut-Filter), also die Stelle im Frequenzspektrum, an der du den Klang bearbeiten möchtest. Beachte dabei, dass sich die Klangveränderung nicht nur auf eine einzelne Zielfrequenz, sondern auch auf einen Bereich um diese Frequenz herum auswirkt.

Bandbreite (3)

Die Größe des Bereichs legst du mit der Bandbreite fest. Ähnliche Begriffe, die aber alle mehr oder minder das gleiche Beschreiben, sind Filtergüte, Q-Faktor und Flankensteilheit. Je größer der Wert für den Q-Faktor, desto schmaler wird das Frequenzband. Mit einem sehr großen Q-Faktor kannst du präzise und gezielt sehr kleine Teile des Frequenzspektrums ansteuern, um z.B. Mikrofon-Feedback zu entfernen. Mit einer größeren Bandbreite veränderst du einen größeren Frequenzbereich.

Gain (4)

Mit dem Gain bestimmst du den Pegel der Absenkung bzw. Anhebung eines einzelnen Frequenzbandes. Je größer der Gain-Wert, desto stärker die Klangveränderung für das jeweilige Band.

3. EQ-Arten

Im Wesentlichen können wir zwischen zwei EQ-Typen unterscheiden:

1) Grafische EQs:

Bei einem grafischen Equalizer ist jedem Frequenzband ein eigener Regler (in der Regel ein Schieberegler) zugeordnet. Die Mittenfrequenz und Bandbreite lässt sich bei diesem EQ-Typ meistens nicht verändern. Du kannst also nur den Pegel der vordefinierten Frequenzbereiche anheben oder absenken. Zum Einsatz kommen grafische EQs im Tonstudio häufig beim finalen Mixing und beim Mastering. Auch ein Tonmeister arbeitet beim Live-Mixing während eines Konzerts oder im Club häufig mit einem grafischen EQ.

2) Parametrische EQs:

Parametrische EQs sind vor allem im digitalen Tonstudio weit verbreitet und hinsichtlich Feinjustierung grafischen EQs überlegen. Neben Gain können bei parametrischen EQs auch Frequenz und Flankensteilheit pro Band eingestellt werden. Damit sind sehr präzise Eingriffe möglich, z.B. um bei einer Aufnahme die Raumresonanz in einem sehr schmalen Frequenzband in den Griff zu bekommen. Der Pro-Q2 von FabFilter, der EQ Eight von Ableton Live und der Channel EQ von Logic Pro sind Beispiele für parametrische Equalizer.

Grafische Equalizer sind häufig analoge Hardware-Geräte während parametrische Equalizer vorrangig als Plug-ins vorzufinden sind. Analoge EQs werden nicht selten aufgrund eines gewissen „Eigenklangs“ und aufgrund der haptsichen Handhabung bevorzugt, während parametrische EQs aufgrund der höheren Flexibilität eingesetzt werden. Natürlich gibt es auch Ausnahmen von dieser Regel. Außerdem gibt es immer mehr virtuell-analoge Equalizer, die das Verhalten, den Klang und die Optik analoger EQs auf digitaler Ebene nachbilden. Beispiele hierfür sind Sie-Q von Sountoys oder V-EQ3 von Waves.

Die Abbildung zeigt den grafischen Analog-Equalizer DBX 1231.

4. Anwendung

Die Anwendung von Equalizern können wir in zwei Hauptbereiche unterteilen:

1) Korrektives EQ-ing

Brummgeräusche in der Aufnahme? Zu starke Rückkopplungen vom Mikrofon eingefangen? Ein Equalizer kann hier Abhilfe schaffen.

2) Kreatives EQ-ing

Durch kreatives EQ-ing kannst du z.B.

  • Einzelne Elemente einer Musikproduktion, wie Drums, Vocals oder Bass, besser in den Gesamtmix einfügen
  • Anteile hervorheben die „gut“ klingen und Anteile absenken die „schlecht“ klingen
  • Bei Sprachaufnahmen die Sprachverständlichkeit durch Betonung bestimmter Frequenzen erhöhen
  • Klänge in den Vordergrund und Hintergrund rücken
  • Klänge durch extremes EQ-ing bis zur Unkenntlichkeit verändern

Eine Anwendung von kreativem EQ-ing findest du in SOS Tutorial 080 – Subbass mono schalten.

In den nächsten beiden SOS Tutorials werden wir die EQs von Ableton Live und Logic Pro unter die Lupe nehmen.

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09/08/2020

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